Perry Rhodan Stammtisch – München

Gestern Abend besuchte ich den Perry Rhodan Stammtisch in München. Ich war dort, um mein Exemplar von “60 Jahre Perry Rhodan” abzuholen. In diesem Buch wird meine recht marginale Tätigkeit bei Perry, ab Seite 227, mit immerhin 6 Seiten gewürdigt. Eine große Ehre.

Nostalgie und Aktuelles

Neben einem guten Essen, gab es gestern Abend auch gute Konversation. Es ging um viele aktuelle und alte Themen, die das Perryversum betreffen. Projekte wie einen Spielfilm, zum Beispiel. Nun gut. Es gibt einen der “Perry Rhodan – SOS aus dem Weltrall“ heisst. Er sorgt stets für Gesprächstoff und irgendwie versuchen die Fans das Werk für sich einzuordnen. Die Bandbreite reicht von Zorn über Scham, bis hin zur Begeisterung für Meister-Trash. Immerhin- es gibt einen Film! Es soll danach noch diverse Ansätze zu weiteren cineastischen Vorhaben gegeben haben, die jedoch nie verwirklicht wurden. Dieser Umstand wurde von den Fans zum Teil beklagt, zu Teil bgrüsst. Die eine Fraktion stellt Perry Rhodan in die rein literarische Ecke, die Andere sieht durchaus eine Zukunft für den Weltraumhelden auf der Leinwand. Ich erfuhr eine Menge spannender Details, um ein steckenweise verwirklichtes Projekt, das sich um Atlan dreht und auf Youtube zu bewundern ist.

Hier ein kleiner Trailer. Mehr ist auf Youtube zu sehen. Scheint ein ambitioniertes Projekt gewesen zu sein.

Viele andere Themen

Natürlich liegt es in der Natur der Sache, dass sich das Fandom mit vielen anderen Franchises auseinandersetzt. Das betrifft Bücher, Filme und Serien. Daher gab es eine Vielfalt von Themen, die diskutiert wurden. Boba Fett, bzw. The Mandalorian wurde eingehend behandelt und was man sich in Bezug auf Streaming Dienste von Perry wünscht. Das Angebot an fantastischen Stoffen wächst und man befürchtet, Perry könnte abgehängt werden. Wieder ging die Diskussion um Literatur oder Film. Schließlich schwenkte das Thema wieder auf Bücher zurück. Meine Romanreihe NOMADS gefiel einigen Fans, nachdem ich erklären konnte, worum es dabei ging. Ich erfuhr von den Vorlieben der Fans für ungewöhnliche Kurzgeschichten. Auch ich konnte mit meiner Kurzgeschichte ONEYUN, Interesse erwecken, die sich einem sehr aktuellen Thema widmet.

Genug der Eigenwerbung. Nach einer eingehenden Betrachtung von Starship Troopers und der politisch fragwürdigen Einstellung des Autoren Robert A. Heinlein, folgte ein amüsanter Abstecher in einen weiteren phantastischen Kosmos. Hierbei ging es um ein Raumschiff, kommandiert von Vampiren, die andere Planeten mittels Zombie-Invasionen erobern. Ok. Nicht mein Thema. Alles in allem ein anregender Abend, mit vielen spannenden Gesprächen. Es wird wieder Zeit für eine größere Con. Garching würde mir, für den Anfang, genügen.

Dave Filoni – Ich habe ein Problem mit ihm!

 

GERMAN

Ich habe ein Problem mit dem Stil von Dave Filoni. Seine Dramaturgie ist so behäbig, dass ich mich wundere, wie sich die Story überhaupt vom Fleck bewegt. Es mag ihm ja gefallen, die Jedi Szenen ziemlich mit Pausen zu füllen, in denen sich die Darsteller überlegen, wie es weitergeht. So jedenfalls mein Empfinden. Mir kommen dabei immer die Anweisungen von George Lucas an die Schauspieler in den Sinn. Laut Samuel L. Jackson gab es nur eine Anweisung des Filmemachers “Speed it up!”. Und irgendwie mach das Sinn. Im normalen Leben spricht niemand so bedeutungsschwer, dass es ihm fast die Sprache verschlägt, oder sich übelegen muss, mit welch epischen Worten er zu antworten hat.

In Episode 6, von The Book of Boba Fett, scheinen ihm die örtlichen Gegebenheiten egal zu sein. Beziehungsweise die Perspektive der Protagonoisten. Da fragt Mando den Deputy nach dem Marschall. Der Deputy sagt der Marschall sei beschäftigt und plötzlich tritt eben jener Maschall hinter ihm ins Bild. Hat Mando den nicht gesehen? Seltsam.

Bane kommt aus der Wüste. Die Einstellung ist schon beeindruckend, aber kommt der Typ ohne Schiff oder Speeder? Zumindest sollte ein Vehikel im Hintergrund stehen und sein Auftauchen für ihn weniger anstrengender machen, oder hat er die Physionomie eines Banthas dem es Spaß macht, stundenlang über den heissen Sand zu wandern. Filoni stellt die Bildwirkung über den Sinn einer Szene, obwohl man leicht beides haben kann.

Es gibt viel filonschen Fanservice. Das mag den ein oder anderen entzücken, aber ich empfinde das lange Verweilen an eher langweiligen Orten nervig. Die Anwesenheit ikonischer Charaktere macht das nicht besser. Wenn sie nicht viel wichtiges zu sagen haben – Speed it up!


ENGLISH

I have a problem with Dave Filoni‘s style. His dramaturgy is so ponderous that I wonder how the story moves from the spot at all. He may well like to fill the Jedi scenes pretty much with pauses in wich the actors can figure out what to do next. At least that’s how I feel about it. George Lucas’ instructions to the actors always come to my mind. According to Samuel L. Jackson, there was only one instruction from the filmmaker to his actors : “Speed it up!” And somehow that makes sense. In normal life, no one speaks with an epic sense that it almost makes him lose his tongue, or have to practice with what mindful words to answer.

In Episode 6, of The Book of Boba Fett, he also doesn’t seem to care about local circumstances. Or rather, the physical perspective of the protagonists. That’s when Mando asks the deputy about the marshal. The deputy says the marshal is busy and suddenly the Maschall enters the picture behind him. Did Mando not see the guy? Strange.

Bane comes out of the desert. The setting is already impressive, but does the guy come without a ship or speeder? At least there should be a vehicle in the background to make his emergence less strenuous for him, or does he have the physionomy of a Bantha who enjoys walking for hours over hot sand. I think, that Filoni put the scenery over the sense. To connect both would be easy. So there are no excuses.

There’s a lot of Filonian fanservice. This may delight some, but I find the long lingering in rather boring places annoying. The presence of iconic characters doesn’t make it any better. If they don’t have much important to say – speed it up!

The Book of Boba Fett – ein Resümee.

German

Was gibt es über Star Wars: Das Buch von Boba Fett (The Book of Boba Fett) zu sagen?

Bin ich enttäuscht?

Ich bin anfänglich sehr offen an die ganze Serie herangegangen. Die ersten beiden Folgen hatten alles, was ich von Star Wars erwarte. Tolle Bilder, das typische Star Wars Setting und rasante Action. Allerdings hat sich das Bild inzwischen ein wenig gewandelt. Warum? Für Star Wars, beziehungsweise für George Lucas waren Western und Samurai Filme immer das Vorbild. Wichtig für die Charaktere und für die Geschichten, die sich im Star Wars-Universum abspielen. Diese Vorbilder zeichneten sich immer durch kantige unangepasste Helden oder Antihelden aus. Hartgesottene Typen, die niemandem einen Gefallen taten, oder nur dann, wenn sie davon profitierten. Während des Handlungsverlaufes machten die diversen Protagonisten oft eine Wandlung durch. Das geschah in angemessenem und glaubwürdigem Tempo. Und selbst wenn sie keine Läuterung erfuhren, war es gute Unterhaltung, die ohne plakative Botschaft auskam. Was zählt, ist die Glaubwürdigkeit, mit der sich die Charaktere in ihrem Biotop bewegen.

Was macht mir Spass?

Ich ziehe durchaus meinen Spaß daraus, diesen eher unangenehmen Zeitgenossen als Voyeur bei ihren Spielchen zuzusehen. Ich tauche gerne mit ihnen in eine Welt ab, in der es vor Schurken nur so wimmelt. Und wenn der Held kein Engel ist, wen soll das schon kümmern? Mich nicht. Solange er nur interessant und schillernd ist.

Boba Fett bewegt sich in einer kriminellen Gesellschaft und kein Drehbuchautor sollte versuchen, ihn in die Rolle des Friedensengels zu drängen. Alle Himmel! Er ist kein Ghandi. Und wenn er schon eine Läuterung erfahren soll, warum fängt das schon zu Beginn der Serie an. Er hätte sich gerne etwas länger gegen diese Wandlung wehren können. Das hätte eine schöne Spannung erzeugt, die man mit einer Prise Humor erzählen könnte.

Eine Täuschung?

Im Teaser, in dem Boba Fett Bib Fortuna einfach mal so vom Thron blastert, erhielt ich den Eindruck eine kompromisslose Serie mit dunkleren Tönen zu bekommen. Eine erwachsenere Geschichte. Eine Serie, die das Milieu einer gesetzlosen Unterwelt perfekt beschreibt, ohne irgendetwas zu beschönigen.
Ok. Es sind noch drei Folgen, die die Sache noch herumbiegen können. Ich hoffe also, dass die Protagonisten noch irgendwie ihre Fasson finden, in der sie glaubwürdiger oder stimmiger wirken.



English

What is there to say about Star Wars: The Book of Boba Fett?

Am I disappointed?

I initially approached the whole series with a very open mind. The first two episodes had everything I expect from Star Wars. Great pictures, the typical Star Wars setting and fast-paced action. However, the picture has changed a bit in the meantime. Why? For Star Wars, respectively for George Lucas, Western and Samurai movies were always the model. Important for the characters and for the stories that take place in the Star Wars universe. These role models were always characterized by edgy, non-conformist heroes or antiheroes. Hard-boiled types who did no one any favors, or only when they benefited. During the course of the plot, the various protagonists often underwent a transformation. This happened at an appropriate and believable pace. And even when they didn’t undergo any purification, it was good entertainment that got by without a striking message. What counts is the credibility with which the characters move in their biotope.

What am I enjoying?

I definitely derive my enjoyment from watching these rather unpleasant contemporaries play their games as a voyeur. I enjoy diving with them into a world teeming with villains. And if the hero is no angel, who cares? Not me. As long as he’s interesting and dazzling.

Boba Fett moves in a criminal society and no screenwriter should try to push him into the role of the angel of peace. All heavens! He’s no Ghandi. And if he’s going to undergo a purification, why does it start at the beginning of the series. He could have happily resisted this transformation a little longer. That would have created a nice tension that could be told with a touch of humor.

A deception?

In the teaser, with Boba Fett just blasting Bib Fortuna off the throne, I got the impression of getting an uncompromising series with darker tones. A more adult story. A series that perfectly describes the milieu of a lawless underworld without glossing over anything.
Ok. There are still three episodes left to bend things around. So I hope that somehow the protagonists will still find their likeness in which they seem more believable or coherent.

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Hin und wieder entschließe ich mich einige meiner Romane gratis oder zum Preis von 99.- Cent anzubieten.

NOMADS LEGACY 2 – Welt in Flammen

Nomads Legacy 2
Welt in Flammen
Unruhe hat die Bewohner der Galaxis ergriffen. Das Gefühl einer undefinierbaren Bedrohung macht sich breit. Eine Angst, der sich auch Nea nicht länger entziehen kann und sie zwingt, ihr selbstgewähltes Exil auf der Hafenwelt Sculpa-Trax zu verlassen. In Morathu, einer luxuriösen Metropole auf einem der Monde von Sculpa-Trax, macht sie die Bekanntschaft von Zyrus Korren. Einem Mann, der offenbar Antworten auf viele Fragen hat, die Nea seit einiger Zeit benuruhigen. Eine schicksalhafte Begegnung, am Vorabend der Zeitenwende …

Leseprobe NOMADS LEGACY 2

NOMADS LEGACY 2 – Welt in Flammen. (Unlektoriert)

Konos war eine kalte, unbewohnte und sturmgepeitschte Ozeanwelt, tief im berüchtigten Kolius-Sektor. Die kleinen Kontinente kahl und grau. Die Küsten schroff und von der donnernden Brandung zernagt. Vom wolkenbedeckten Himmel brausten unablässig ergiebige Regenschauer herab. Der Wind heulte über das karge Land und um die niedrigen Gipfel verwitterter Gebirgszüge.
Die Rimon war auf einem flachen Kiesbett gelandet, das einen steinigen Strand bildete, der sich an der Küste entlangzog. Dahinter erhob sich eine trostlosen Heide, die mit spärlichem Buschwerk bewachsen war und sich weit ins Landesinnere zog. Sie erstreckte sich hin bis zu einer graugrünen Hügelkette in der Ferne. Alles in allem machte diese Welt nicht den Eindruck, mögliche Besucher zum Bleiben ermuntern zu wollen.
Die Crew der Rimon trat durch ein kleines Schott ins Freie und wurde von eisigen Windböen empfangen. Schweigend stapfte die Gruppe von Menschen, Oponi und Akkato zum Meer hinunter, während der Diko an Bord zurückblieb, um das Geschehen von der Brücke aus zu beobachten.
Yanomee und Jakodoo setzten sich ab und gingen etwas voraus. Die beiden blieben ab und an stehen, um mit den Zieloptiken ihrer Gewehre den Kran und das Schiff zu betrachten. Zeb versuchte mit dem Akkato und der Oponi schritt zu halten, was ihm kaum gelang. Ogo bildete zusammen mit Nea den Mittelteil der Gruppe., während Logan und Budd als Nachhut hinterdrein trotteten. Ogo hatte sein schweres Plasmagewehr aus der Halterung gezogen, als rechnete er jeden Moment mit Unannehmlichkeiten.
Der triste Strand war breit und bestand aus grobkörnigem, schwarzem Sand, der sich zwischen unzähligen Gesteinsbrocken angesammelt hatte. Eine Bucht, die zu ihrem nördlichen und Südlichen Ende zu einer steilen Küste anstieg. Soweit das Auge reichte, sah man die Hinterlassenschaften der gescheiterten Expedition. Verrostete Container, für allerlei Gerät. Zerbeulte Fahrzeuge, Fässer aus Kunststoff und vom Salz zerfressene Blechbaracken sprenkelten das Land. Beherrscht wurde die Szenerie von einem gewaltigen Hebekran, der den Großteil eines hohen Felsvorsprunges am nördlichen Ende der Bucht einnahm. Der pechschwarze Fels bildete eine Klippe, die jäh in die tobende See abfiel. Mit stählernen Pylonen klammerte sich der Kran an den Berg, wie ein riesiger Krake, den ein Sturm an Land gespült hatte und der nicht in den brodelnden Ozean zurückwollte. Der Kran besaß fünf Ausleger, an denen etwas hinab ins schäumende Meer baumelte, das auf den ersten Blick wie ein mächtiger Felsblock aussah. Nur seine regelmäßige, zigarrenartige Form machte deutlich, dass es ein von intelligenten Wesen konstruiertes Objekt sein musste. Es war von Korallen und Pflanzen überwuchert, die davon herabhingen, wie langes strähniges Haar, das im Wind wehte. Einige der Kranausleger hatten sich geneigt und so war das Wrack zum Teil wieder ins Wasser eingetaucht. Hohe Wellen schlugen dagegen und weiße Gischt spritzte auf, die als feiner, salziger Nebel über den Strand wehte.
Nea begann, sich unwohl zu fühlen. Sie hatte den Eindruck, als sinke sie bei jedem Schritt tief in den Sand ein. Tiefer als der hünenhafte Akkato, der ihnen vorausging und scheinbar keine Bedenken hatte. Nea beneidete ihn um seine robuste, simple Akkatomentalität. Sie hingegen schwankte; angefüllt mit Befürchtungen und Vorahnungen. Ihr Blick trübte sich ihr ab und an, als überlagerten sich unzählige Bilder vor ihrem Auge. Sie sah den an einem hellen Sonnentag, im Nebel, im Schnee, bei Tag, bei Nacht. Die weite Bucht von den Wassern einer Sturmflut überschwemmt, oder trocken und staubig wie eine Wüste. Das öde Land war einstmals von einem üppigen Urwald bedeckt gewesen. Sie sah Bäume und Büsche, die sich dicht ans Wasser drängten. Die Rufe von Tieren im Dickicht. Der Gesang von Vögeln.
Nea hielt inne und schüttelte den Kopf. Sie schloss für einen Moment die Augen, konzentrierte sich und wisperte einige Worte aus einem kurzen Gedicht. Sie wiederholte die Verse drei, vier Mal und allmählich wurden ihre Sinne wieder klar. Schnell machte sie den Abstand zur Gruppe wieder wett.
„Das also ist dein Schatz, Zebulon Greenwood“, flüsterte Nea mehr zu sich selbst, während sie zusammen mit Logan und Budd am Ende der Gruppe über den Kies stapfte. Die beiden waren ungewöhnlich still. Die Lust an ihren üblichen Scherzen schien ihnen im Moment vergangen zu sein. Im schatten der tief ins Gesicht gezogenen Kaputzen, erkannte Nea angespannte Minen. Nea hätte es als amüsant empfunden, die Zwei so nachdenklich zu sehen, wäre sie selbst nicht so sehr von Furcht erfüllt.
Inzwischen waren sie dem Objekt so nahe, dass man mit dem bloßen Auge Details erkennen konnte. Luken und Panzerplatten, überzogen den unteren Teil des Schiffes, den der Schlamm des Meeresgrundes ganz augenscheinlich konserviert hatte. Es gab eine gerade Trennlinie zwischen diesem Bereich, der aussah, als wäre der Rumpf gerade erst fertiggestellt worden und dem oberen Bereich, der wie ein bewachsener Felsen wirkte. An den Stellen, wo Teile der Außenhaut fehlten, konnte man ins Innere sehen. Korridore, Gänge und Hallen. Alle im Stil, der während des Alten Reiches üblich war und der an organische Strukturen erinnerte, als hätte ein wahnsinniger Biomechaniker das Schiff gezwungen in eine bestimmte Form zu wachsen.
Die Gruppe stand reglos und staunend vor diesem Anblick. Niemand wagte zu sprechen. An ihren steifen Regenmänteln rann das Wasser in Strömen herab. Eine Mischung aus Nieselregen und dem Sprühnebel der Brandung, die so an die Felsen krachte. Nea, die als erste ihre Worte wiederfand, musste schreien, um sich bemerkbar zu machen.
„Ich denke, der Kran ist noch was wert“, brüllte sie gegen den Sturm an, der ihr salzige Tropfen in den Mund wehte. „Jedenfalls mehr als das Schiff, das da dranhängt.“
Niemand antwortete. Alle beobachteten die Szene, als könne jeden Augenblick ein Ungeheuer aus den Fluten auftauchen und sie angreifen.
„Verschaffen wir uns mal einen Überblick“, meinte Zeb und deutete nach oben, wo sich der Kontrollraum des Bergungskrans befinden musste.
Über ein verzweigtes System von Treppen, das auf der windgeschützten Seite des Felsmassives angelegt war, gelangte die Gruppe auf die Hauptplattform des Kranes. Der Sturm fegte durch die Verstrebungen und peitschte den Regen über das Deck. Hier oben schien der Sturm an Stärke zugenommen zu haben. Es war unmöglich, sich zu verständigen. Kaum ausgesprochen, wurden einem die Worte förmlich von den Lippen gerissen. Nea trat vorsichtig an das Geländer heran, um einen guten Blick auf das Meer und das Schiff zu haben. Sie hörte die Warnungen ihrer Freunde nicht, sondern setzte einen Fuß vor den anderen, als würde sie von unsichtbaren Ketten gezogen. Ogo folgte ihr. Den schweren Roboter, der sich schützend hinter Nea stellte, schien nichts von den Füssen reißen zu können. Eisige Wassertropfen stachen Nea wie Nadelspitzen ins Gesicht. Der große Schiffskörper hing wie eine faulige Leiche an den Trossen, während ein Brecher nach dem anderen über ihn hinweg toste.
Nea wurde übel, aber nicht wegen der Höhe, Nea war schwindelfrei. Es war etwas anderes. Ihre Knie wurden weich und sie wäre bestimmt zu Boden gegangen, hätte Yanomee sie nicht festgehalten.
„Was ist mit dir, Kindchen?“, fragte sie Nea besorgt.
Nea war wie in Trance. Sie fühlte sich, als hätte sie Drogen genommen. „Dieses Schiff“, flüsterte sie. „Das Salzwasser hat Teile davon aufgelöst. Es ist aufgegangen in dieser Welt, ist eins geworden mit diesem Planeten.“ Nea löste sich aus Yanomees Armen und stellte sich an das rostige Geländer. „Ich fühle den Felsen, auf dem wir stehen“, sagte sie, als wäre sie in andere Sphären entrückt. „Ich spüre die Last, die er auf seinen Schultern trägt und wie das Schiff an ihm zerrt und zieht, als wolle es zurücksinken in sein dunkles Grab. Den Sturm, der um die Klippen weht und das eisige Wasser in der Tiefe, das meine Füße umspült.“ Langsam dämmerte Nea wieder aus ihrem Trancezustand heraus.
„Was ist mit dir?“, erkundigte sich Yanomee abermals.
„Ich habe das öfter.“ Nea wusste nicht, ob ihre Stimme das Dröhnen durchdrang, das die Luft erfüllte. „Aber hier ist es viel stärker. Ich meine, ich habe ein seltsames Gefühl, seit wir aus dem Schiff gestiegen sind. Und hier, auf dem Felsen ist es besonders intensiv.“
Die beiden standen einen Moment stumm beieinander, bis Nea jemanden rufen hörte. Sie wandte sich um und sah Jakodoo, der mit aller Kraft an einem Schott zerrte und es langsam öffnete. Die anderen zögerten, dem Akkato zu helfen und sich dafür aus dem Schutz eines Vordaches zu wagen. Erst als Ogo heranpolterte und seine stählernen Finger zwischen Türe und Rahmen schob, wagten sie sich näher. Als der Spalt breit genug war, zwängten sich Zeb, Budd, Logan und Jakodoo ins Innere der Plattform.

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Umbenannt!

Es ist geschehen! Ich habe den Titel und die Serie umbenannt. Auf diese Weise verbinde ich die Nomads Reihen miteinander und den Kosmos in dem sie spielen.

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Outlanders Legacy 2 – Leseprobe:

Hier ein weterer Teil des 1. Kapitels. Das Ende wird jedoch auch hier nicht verraten.

Sam schob alle Bedenken beiseite, schloss seine Gleitvorrichtung ebenfalls um das Seil und folgte van Veyden in die Unterwelt. Das kleine Räderwerk in der Apparatur surrte, während das Tageslicht verblasste und die Kälte mit zunehmender Dunkelheit Blumfeldts Körper umschlang. Schließlich setzten seine Füße auf dem Boden auf. Sam wusste, dass die Sohlen seiner Stiefel ein buntes Mosaik berührten, dass ein antikes Schlachtengetümmel darstellte. Er stand auf dem Gesicht eines grimmigen Akkato, der mit einem mächtigen Strahlengewehr auf seine Gegner feuerte. Ukra hieß er. Ein Leibwächter Sargons, der nach der Verschwörung gegen seinen Herrn nur noch Rache und Vergeltung kannte. Jedenfalls lautete die Geschichte so, die ihm van Veyden erzählt hatte. Angeblich gab es noch etliche andere Versionen dieser Legende, doch van Veyden tat sie als verklärten, romantischen Unsinn ab. Sam hätte sie jedoch gerne gehört.
„Welchen Weg wollen wir diesmal nehmen?“, fragte van Veyden und richtete den Kegel des kleinen Scheinwerfers an seiner Mütze auf eine Reihe von Torbögen, die einen Steinwurf weit entfernt lagen.
Sam betrachtete die vielen Portale im Licht seiner Stirnlampe. Einige davon hatten sie schon öfter durchschritten, um tiefer in das unterirdische Labyrinth vorzudringen. Es gab Korridore und Treppen, die in weite Hallen, oder in Häuserschluchten führten, deren Gassen mit Trümmern gefüllt waren, als hätte sie ein Erdbeben getroffen. Sam deutete schließlich auf einen der Tunnel, den sie noch nie versucht hatten.
„Der Bürotrakt“, kommentierte der Alte.
„Was heißt das?“
„Links und rechts nichts als Türen. War bestimmt mal ein Verwaltungstrakt.“
„Nachgesehen was hinter den Türen ist?“
„Natürlich“, meinte van Veyden achselzuckend und etwas herablassend. „Räume. Räume mit altem Schrott. Uninteressant.“
„Möchte ich sehen.“
Der Korridor bot genau das Bild, das van Veyden beschrieben hatte. Abgesehen von den üblichen Verzierungen und Reliefs, unterschied sich das Bild tatsächlich kaum von dem eines Amtsgebäudes, wie man es überall finden konnte. Tür an Tür reihte sich endlos an den Wänden entlang. Viele davon waren geöffnet, die meisten jedoch verschlossen. Sam ließ es sich nicht nehmen in einigen der Zimmer nachzusehen, ob es darin spannendes zu entdecken gab, musste aber feststellen, dass sein alter Kumpel die Wahrheit gesagt hatte. Es gab darin nichts weiter als Tische und Stühle, sowie bizarre Apparaturen, die van Veyden einmal als antike Rechner bezeichnet hatte und die Sam schon kannte. Keiner davon war noch funktionsfähig.
„Wie weit bist du hier gegangen?“, wollte Sam erfahren.
„Nicht weit“, bekannte van Veyden. „Ich hatte nie vor meine Zeit zu verschwenden.“
„Sieh das als meine Abschiedstour an. Danach bist du frei zu tun, was immer du willst.“
„Als Abschiedstour hätte es bestimmt Spannenderes gegeben.“
Sam bekam jedoch seinen Willen. Van Veyden brummte zwar ab und an einen säuerlichen Kommentar, aber am ende verstummte er. Nachdem sie einige Treppen weiter abwärts gestiegen waren, erreichten eine kreisförmige Halle, von der drei große Tunnel abzweigten. Die hohen, reich verzierten Portale, stellten an sich nichts Ungewöhnliches dar, aber aus dem Mittleren der Drei leuchtete ein gelbrötlicher Lichtschimmer. Der Schein war immerhin so hell, dass die beiden Wanderer ihre Lampen abschalten konnten.
„Digger?“, fragte Sam.
Van Veyden blieb ihm die Antwort schuldig. Stattdessen zog er seine Pistole aus dem Holster. „Lass uns mal nachsehen.“
Das Licht kam aus einem weiteren Raum am Ende des Korridores, der zu beiden Seiten mit riesenhaften Statuen gesäumt war, die in dunklen Wandnieschen standen. Hybridwesen aus Insekten und Reptilien. Sie wirkten wie versteinerte Lebewesen, die jederzeit zum Leben erwachen konnten. Sam hatte sie schon öfter zu Gesicht bekommen. Sie standen hier und da an dunklen Stellen herum, nur um ahnungslose Digger zu erschrecken. Gothreks hatte van Veyden sie genannt. Sargons Soldaten. Wesen aus archaischer Vorzeit, die dem Tyrannen halfen, sein Reich aufzubauen und zu verteidigen.
Sam hörte Stimmen. Auch van Veyden schien sie vernommen zu haben und zog seine Pistole. Jemand sprach aufgeregt. Scheinbar war eine Diskussion im Gange. Blumfeldt und van Veyden wechselten einige Blicke, bevor sie weitergingen.
Sie näherten sich dem Ende des Korridores, oberhalb eines Treppenabsatzes. Es führten etwa hundertfünfzig oder zweihundert Stufen hinunter die in einen großen Platz mündeten, auf einige Leute herumstanden. Eine Gruppe von Diggern, wie man sie sich vorstellte, ausgerüstet mit allerlei schweren Gerätschaften und einem achtbeinigen Transportgeher. Sie befanden sich inmitten eines geometrischen Musters aus feurigen Linien, das sich über den gesamten Boden ausdehnte, welches von einem großen Objekt ausging, dass wie ein abstraktes Kunstwerk aussah. Das Ding begann zu vibrieren, wie ein Triebwerk, dass allmählich hochgefahren wurde.
„Die haben einen Haupttreffer gezogen“, flüsterte van Veyden, mehr zu sich selbst und starrte fassungslos auf die Szene.
Sam konnte sich zusammenreimen, was Haupttreffer in diesem Fall bedeutete, denn für gewöhnlich konnte man den Relikten keine Reaktion abgewinnen. Sie waren tot, im Gegensatz zu dieser Maschinerie, die wie ein zum Leben erwachter Drache wirkte.
Jemand schrie auf. Ein Akkato, der vor der Maschine kauerte und sich die Hände an die Schläfen presste. Ein anderer Mann schimpfte. Allem Anschein nach der Chef der Truppe. Während er seinem Ärger noch Luft machte, krachte ein Schuss, der seine Stimme übertönte. Die Energieladung sprengte ein faustgroßes Loch in den Boden vor seinen Füssen.
Van Veyden legte sich auf den Boden und widmete Sam einen grimmigen Blick, bis dieser es ihm gleichtat. Sam hörte, wie jemand einen Befehl an die Digger richtete.
„Waffen ablegen und Hände hinter den Kopf!“
Sam fiel es nicht leicht herauszufinden woher die Worte kamen. Das Echo und der anschwellende Lärm, der von der Maschine ausging, machten das fast unmöglich. Aber schließlich entdeckte er eine ganze Anzahl kaiserlicher Soldaten, die hinter einem Felsgrat aus Trümmern aus der Deckung traten. Sams Blick richtete sich auf einen Mann, der gut sichtbar auf dem Sockel einer umgestürzten Statue stand und mit seinem Gewehr auf den Anführer der Digger zielte.
„Wir müssen verschwinden“, flüsterte van Veyden und machte einen vorsichtigen Schritt rückwärts. „Jetzt gleich.“
Sam hörte den Alten, aber die Neugier befahl ihm, sich nicht von der Stelle zu bewegen.
In diesem Moment schrie der gepeinigte Akkato abermals auf. Er wurde von Krämpfen geschüttelt, während sich in der sonderlichen Maschinerie ein glühender Spalt auftat. Digger, wie Soldaten schienen gleichermaßen erstaunt über den Vorgang. Auch Sam konnte seinen Blick nicht von der Szene lösen. Lediglich van Veyden schien bereit sofort die Flucht anzutreten.
Sam beobachtete, wie sich der Spalt in der Maschine weiter öffnete. Ein Körper wurde sichtbar, der nach und nach aus der Öffnung gepresst wurde. Eine bizarre Geburt, begleitet von Erdbeben und Feuer. Die Maschinerie zischte und rumpelte, wie ein alter Dampfkessel. Lichterscheinungen geisterten wie Elmsfeuer durch die Grotte. Erst als der Körper herausglitt und dem Akkato vor die Füße fiel, kehrte Ruhe ein. Das feurige Muster auf dem Boden und die fahlen Blitze erloschen. Nur die Lampen der Digger erhellten jetzt noch die Dunkelheit. Ein Zwielicht, in dem sich das neugeborene Wesen wie ein drohender Schatten vor dem kauernden Akkato aufrichtete.
Plötzlich erhellte die Leuchtspur einer Energiesalve, die Finsternis. Sie blendete Sams Augen, während der Knall des Geschosses seine Ohren klingeln ließ. Der Schuss, den van Veyden abgefeuert hatte, traf das Wesen in die Stirn, woraufhin es leblos zusammensackte.
„Jetzt nichts wie weg hier!“, befahl der alte Digger, wandte sich um und lief davon, ohne auf Sam zu warten.
Sam Blumfeldt konnte seine Augen nicht abwenden. Es war, als betrachtete er eine Theaterbühne, auf der gerade eine Horrorszene ihr abruptes Ende gefunden hatte. Er wusste nicht was den Chef der Digger veranlasste, seine Waffe zu ziehen, während all die kaiserlichen Soldaten ihn im Visier hatten. Er kam auch nicht mehr dazu, zu beobachten was danach geschah. Sam fuhr herum und folgte van Veyden, der erstaunlich schnell davoneilte. Im selben Augenblick brach hinter ihm der unvermeidliche Kampf aus. Das Donnern von Energiegeschossen und Granaten hallte durch das Gewölbe. Sam beobachtete, wie van Veyden im Laufen etwas aus einer der Schenkeltaschen seiner Hose holte und daran herumhantierte. Der Alte warf es kurz darauf gegen eine der Wände, wo es haften blieb.
Sam geriet in Panik. Immerhin half ihm die Angst, sein Tempo zu beschleunigen und den Abstand zwischen sich und dem alten Digger zu verringern. Sie hasteten einige Stufen hinauf und erreichten einen weiteren Korridor. Sam war mit van Veyden auf gleicher Höhe, als eine Explosion den Boden erschütterte. Die folgende Druckwelle brandete glühend heiß über die Beiden hinweg und schleuderte sie wie Herbstblätter durch die Luft. Sam stieß mehrmals gegen Wände, Decke und Boden, bevor ihn die Staubschleier in Schwärze hüllten.

Outlanders Legacy 2

Tamiel Magua ist ein imperialer Agent. Eine Geheimmission führt ihn zu Zeelona Bonathoo, der sogenannten Piratenkönigin. Sie ist die Anführerin der bedeutensten Piratenclans. Das Imperium strebt einen Frieden mit den Piraten an und Magua soll Zeelona das Angebot des Kaisers unterbreiten. Natürlich weiss Magua, dass der Kaiser eigene Pläne verfolgt, die im die Bedrohung durch die Freibeuter endgültig vom Halse schaffen soll. Doch auch der Agent ist nicht frei von eigenen Motiven, da das GHOST-Konglomerat – ein Zusammenschluss von Verbrecherbanden – ein Druckmittel gegen ihn in der Hand hält ….

OUTLANDERS LEGACY 2 Welten in Flammen

Leseprobe.

Ich bin gerade dabei, den zweiten Band der Outlnaders Legacy – Reihe zu überarbeiten. Dabei kam ich zu dem Schluss, dass ich zumindest einer Person noch mehr Hintergrung verleihen muss – Samuel (Sam) Blumfeldt. Hier nun ein Teil der Passage, in der er eine etwas zwielichtige Vergangenheit erhält.

Kapitel 1

Samuel Blumfeldt starrte durch das kreisrunde Bohrloch in die Dunkelheit hinab. Es war nicht das erste Mal, dass er vor dieser Öffnung stand, und zögerte. Wie immer gingen ihm dabei tausend Gedanken durch den Kopf. Ängste, Neugier, Abenteuerlust. Der Wunsch Geheimnisse zu entdecken. Antworten zu finden. Der Drang, alle Bedenken über Bord zu werfen und sich ins Unbekannte zu stürzen war groß. Doch genauso dominant riet ihm eine Stimme zur Besonnenheit. Rief ihm ins Gedächtnis, dass er eine Verantwortung gegenüber seiner Familie trug. Frau und Tochter, von denen er zwar getrennt lebte, die aber dennoch Erwartungen an ihn stellten, die er erfüllen wollte. Seine Karriere, hier auf Scutra, die gerade einen gewaltigen Schritt nach vorne gemacht, und ihn zur rechten Hand des Sektorverwalters erhoben hatte. Diesmal kostete es ihn mehr Überwindung als üblich, das lange Karbonseil zu ergreifen, welches vor ihm die Tiefe baumelte und daran hinunter zu gleiten. Hinab ihn die geheimnisvolle Unterwelt des Hafenplaneten. Das Seil hing von einem dreibeinigen Kran herab, dessen Stelzen sich über dem kreisrunden Abgrund spreizten. Es war eines von etlichen Löchern, das die Digger in die gepanzerte Kruste des Planeten gebohrt hatten. Bei den Diggern handelte es sich um Schatzsucher, die in ständigem Streit mit den imperialen Behörden lagen. Und die kaiserlichen Instanzen sprangen nicht gerade zimperlich mit ihnen um. Hin und wieder hörte man von Gefechten, zwischen größeren Digger Gruppen und imperialen Einheiten. Kein Wunder also, dass man diese Leute von Scutra fernhalten wollte.
Das besondere Interesse der Digger galt Relikten aus dem großen Zeitalter, als der sagenhafte Sargon Asgaroon beherrschte. Und es gab das Gerücht, dass unter der Betondecke von Scutra eine alte Zivilisation verschüttet lag, die es zu erkunden und auszuräubern galt. Für Sam war das inzwischen kein Gerede mehr. Er war oft genug in den Stollen unterwegs gewesen, um die Tatsachen zu kennen.
Sam gehörte nicht zu den Diggern, die plünderten und ihre Funde auf den Märkten der Galaxis verhökerten. Er hatte nie ein Artefakt an sich genommen. Weder um es für sich zu behalten, noch um es in bare Münze zu verwandeln. Aber auch ihn trieb die Abenteuerlust in die unterirdischen Tunnel. Sich in Gefahr zu begeben und für eine Weile dem drögen Alltagsleben zu entkommen, war eine Abwechslung, die er hin und wieder brauchte.
„Bist du zur Statue erstarrt?“
Die Worte rissen Sam aus seinen Gedanken. Sie kamen von einem etwas stämmigen Mann, mit langen grauen Haaren und einem kurzen Bart von gleicher Färbung. Er trug einen grüngrauen Overall, der viele Male geflickt worden war, gesprenkelt von Flecken alter Erde, sowie salzigen Schweißrändern an Kragen und unter den Achseln. Er trug eine speckige lederne Schirmmütze, die in der Mittagsonne einen Schatten über ein Gesicht legte, in dem helle blaue Augen glitzerten. Der Mann, der diese abgewetzten Klamotten seine Diggerhaut nannte, hieß Thomas van Veyden. Sam hatte ihn vor einigen Jahren kennen gelernt, als er die großen Schrottplätze im Hevronsektor nach Ersatzteilen für eine Reparatur durchstöberte. Eine ganze Woche hatte er sich auf dem Schiffsfriedhof herumgetrieben, bis er auf den Alten traf, der gerade aus einem der Schächte stieg. Da dieser sich offenbar ertappt fühlte, unterbreitete er Sam ein Angebot, damit er seine Diggeraktivitäten nicht meldete. Van Veyden behauptete, der Verwalter der gewaltigen Areale zu sein, die mit den Leibern abertausender, verrottender Schiffsleichen gefüllt waren, aber Sam hatte seine Zweifel. Auch später vermochte er nicht herauszufinden, worin van Veydens Funktion eigentlich bestand. Schon möglich, dass er jede Schraube und Niete katalogisierte. Dennoch hielt er es für unwahrscheinlich, dass jemand, der beabsichtigte sich an einem der Wracks zu bedienen, van Veyden erst um Erlaubnis bat. Hin und wieder zerlegte man eines der Schiffsgerippe, um es in den Hochöfen im Norden einzuschmelzen. Natürlich konnte man so eine Aktion nicht ohne erhebliche Formalitäten durchführen. Aber die Prozedur wurde immer von Computern und Robotern erledigt und erfolgte gänzlich ohne menschliches Zutun. Auch Blumfeldts Vorgesetzter verwies nicht auf irgendeine Verwaltungsmaßnahme, als Sam andeutete, sich auf den Schrottplätzen Ersatzteile besorgen zu wollen. Vielleicht hatte der Alte van Veyden hier mal eine Aufgabe erfüllt, doch man schien ihn im Laufe der Zeit einfach vergessen zu haben. Sam wollte es dabei belassen. Es wäre ihm nie in den Sinn gekommen, van Veyden zu verraten. Er zog es jedoch vor, ihn im Unklaren darüber zu lassen und das Angebot, das ihn schließlich in die geheimen Areale der Hafenwelt brachte, anzunehmen.
„Hats dir die Sprache verschlagen“, setzte van Veyden nach.
„Ich grüble nur“, antwortete Samuel Blumfeldt endlich.
„Was gibt es denn zu Grübeln?“
„Ich setzte gerade eine Menge aufs Spiel. Ich könnte in absehbarer Zeit Sektorenleiter werden.“
„Und?“
„Was wenn jemand erfährt, dass ich mich auf Diggerpfaden bewegt und gegen das Gesetz verstoßen habe.“
„Es gibt kein Gesetz gegen das Graben.“
Damit hatte van Veyden recht. Aber es gab auch keine Erlaubnis dafür.
„Ich denke“, fuhr van Veyden fort, „dass man einen Chef mit ein paar dunklen Flecken in seiner Vita, mehr respektiert als langweilige, aalglatte Aufsteiger.“
„Das ist deine Ansicht.“
Van Veyden winkte ab. „Man merkt dir deine Jugend an. Glaub mir, ich weiß, wovon ich spreche.“
Van Veyden schloss die Schnalle seines Gürtels, an dem allerlei Werkzeuge klimperten. Zwei Taschen mit Energiepatronen befanden sich ebenfalls daran. Nahrung für die schwere Plasmapistole, die in ihrem Holster an van Veydens Schenkel hing. Auch Sam hatte eine ähnliche Waffe bei sich, sowie entsprechende Munition.
Digger lebten gefährlich. Man sah sie allgemein als Diebe oder Plünderer an. Samuel Blumfeldt wusste, dass es einen heimlichen Krieg zwischen den Diggern und der Greifertruppe von Scutra gab, die Jagd auf sie machte. Allerdings hielten sich die Aktionen gegen die Abenteuer in Grenzen. Scutra besaß ein gutes Überwachungssystem, das auf Infraschallimpulse reagierte und Signale an die Greifereinheiten sendete, sobald es eine illegale Bohrung detektierte. Zumindest die weniger wohlhabenden Digger wurden regelmäßig von den Greifern gefasst. Die kostspieligen Verschleierungsgeräte, die in der Lage waren, das Abhörsystem zu täuschen, konnten sich nur reiche Digger leisten. Auch Bestechung galt als eine gängige Praxis, doch dafür musste man ebenfalls viel Geld aufbringen.
Sam Blumfeldt musterte das ebenmäßige Bohrloch zu seinen Füssen. Van Veyden hatte es vor zehn Jahren zufällig entdeckt, behauptete er, aber Sam hegte den Verdacht, dass der Alte selber mal Mitglied einer Diggerbande gewesen war. Er hatte ihn einmal danach gefragt, aber van Veyden bestritt, jemals Verbindung zu diesen Leuten gehabt zu haben.
„Also, was ist jetzt?“, wollte van Veyden wissen und ließ seinen Handschlitten um das Karbonseil einrasten. „Ich mach mich jedenfalls auf den Weg.“
Der Alte krallte sich in die Griffe des Gerätes, sprang über die Kante des Loches und sauste in die Tiefe hinab.
Sam schob alle Bedenken beiseite, schloss seine Gleitvorrichtung ebenfalls um das Seil und folgte van Veyden in die Unterwelt. Das kleine Räderwerk in der Apparatur surrte, während das Tageslicht verblasste und die Kälte mit zunehmender Dunkelheit Blumfeldts Körper umschlang.