Phantast Themenschwerpunkt – Spaceopera

Bei www.literatopia.de wird es demnächst einen Spaceopera – Themenschwerpunkt geben. Vorab schon mal das Cover der entsprechenden Phantast Ausgabe.

Asgaroon – Imperium Stellaris, wird ebenfalls als Spaceopera bezeichnet. Doch was ist eine Spaceopera eigentlich? Und was muss eine Geschichte  aufweisen, damit sie sich Spaceopera nennen darf?

Was sind Eure Gedanken dazu?

Ich würde mich über Eure Meinungen freuen.

Hier das Interview, das ich mit Judith, von Literatopia, Anfang dieses Jahres, geführt habe.

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Deutscher Phantastik Preis für Asgaroon!

ihr könnt Eure Stimme für Asgaroon, als beste Serie abgeben. Hier der/das Link:

http://dontapir.de/dpp/

Quanten und Astrophysik im Asgaroon Universum.

Ich habe mir Gedanken über die physikalischen Gesetzmäßigkeiten des Asagroon Universums gemacht (Fayroo-Portale, Baloris, Kiray, etc.) und mich entschlossen, einen religiös, philosophischen Text zu verfassen, der aus einer imaginären Oponi Schrift stammt. Er ist so abgefasst, dass er sich wie ein Text ließt, den ein Mönch geschrieben haben könnte. Die Zeilen geben den Kurs vor, auf dem sich die Asagroon Astrophysik bewegen soll. Nicht dass damit schon alles gesagt sei; nein, nein- keinesfalls! Aber ich denke, die Richtung passt und es hört sich auch noch schön an.
Ich würde mich sehr über Eure Meinungen und Kommentare freuen.
So… hier der Text:

Und Arajes stieg auf den Berg Osomia. Von dort sah er hinab auf die Länder und die Meere von Ophyr. Er erhob seine Augen und blickte hinauf zu den Wolken, den Sternen und den Monden seiner Heimat, um zu sehen und zu begreifen. Aber erst, als er die Augen schloss, eröffnete sich ihm das wahre Wesen der Welt.
Dies sind die Worte, die er niederschrieb, nachdem er Erleuchtung fand.

„Wir sind nichts weiter als Träume. Geister. Gespenster. Gewoben aus flüchtiger Materie. Entstanden in den Gedanken eines unermesslichen Geistes. Das Universum – gleich einem Schöpfergott – träumt, erschafft, lässt werden. Es träumt von Galaxien, Sternen, Planeten und uns; den Kreaturen, die es gewagt haben, in die Träume des schlafenden Gottes einzudringen.“

Weitere Informationen gibt es hier:

http://asgaroon.com/books/

Textprobe: Asgaroon – Heftserie, Domonic Porter -Ausgabe 1: Die Eroberer

Asgaroon

Die Abenteuer des Dominic Porter

Ausgabe 1
Die Eroberer.

Prolog:

Der erste Kontakt zu einer außerirdischen Zivilisation fand am 21. Februar des Jahres 4589 statt und hatte nichts von alldem, was man sich von so einem Ereignis erhoffte oder in Verbindung damit wünschte. Es gab kein glänzendes Raumschiff, das majestätisch und geheimnisvoll vom Himmel sank. Es gab keinen hochgewachsenen, engelsgleichen Besucher, der mit unseren Anführern zu sprechen verlangte, um dann eine Rede vor den Vereinten Nationen zu halten. Es gab keinen Abgesandten einer überlegenen Zivilisation, der uns Frieden anbot, um die junge Menschheit an der Hand zu nehmen und in die Geheimnisse des Universums einzuführen. Kein überlegenes Konzept, die kleinlichen Streitigkeiten unter den Nationen und den ewigen Kampf um die Ressourcen des Planeten beizulegen. Die Fremden hatten ihre eigenen Probleme mitgebracht und sie zu unseren Problemen hinzugefügt.
Ich erinnere mich noch gut an die Tage, an denen der Erdboden zitterte und an die Nächte, in denen die Breitseiten mächtiger Raumschiffe den Himmel erhellten. Der erste Kontakt zu den Außerirdischen war verstörend, brutal, angsteinflößend und besaß den Charme eines Faustschlags – mitten ins Gesicht.
Ihr unerfreulicher Besuch hatte etwas überwältigend Beiläufiges an sich. Wir Menschen waren nicht einmal ein lästiges Übel, das über die Oberfläche der Erde kroch und die Truppenbewegungen der Kriegsparteien störte. Ein Übel konnte man nicht ignorieren. Auf ein Übel musste man reagieren, es bekämpfen, sich damit auseinandersetzen. Doch wir waren es nicht wert bekämpft zu werden, sondern waren einfach nur im Weg. Wir wurden beiläufig zertreten, wie Ameisen auf dem Gehweg. Und die Tatsache, dass wir es gleich mit zwei Kulturen zu tun bekamen, die ein interstellarer Krieg in die Randbezirke der Milchstraße verschlagen hatte, machte das Ganze nicht besser. Beeindruckend war lediglich das Ausmaß der Zerstörungen auf der Erde, den Mondsiedlungen und all den anderen Kolonien und den Planeten des Solsystems. Beeindruckend war auch die Beliebigkeit, mit der man ganze Kontinente verwüstete, um Basen und Stützpunkte zu errichten. Doch bald erkannten zumindest die Akkato den Wert der kleinen Erdbewohner. Wir waren zäh, ausdauernd, zuverlässig und unserer Fähigkeit zu leiden, erstaunte die hochgewachsenen, Wesen, mit den pferdeartigen Köpfen, die von einer grünen Welt mit einem dichtbewachsenen Dschungel stammten. Man gab uns Waffen, bildete uns aus und schickte uns gegen die insektenartigen Keymon in den Kampf. Die Eingliederung der Menschheit in die verfeindete galaktische Familie erfolgte über Rekrutierungsstellen, die von den Akkato eingerichtet worden waren, oder dadurch, dass man kampffähige Individuen einfach entführte und gegen ihren Willen in die Flotte integrierte. Weder die Keymon noch die Akkato waren Menschenfreunde und auch im Umgang mit uns nicht zimperlich. Für mich war bald klar, dass wir für sie nur billiges Kanonenfutter darstellten, um die Verluste der waldbewohnenden Pferdeschädel gering zu halten.
Und so kam auch ich, Dominic Porter, in den zwiespältigen Genuss, meine erste Reise zu den Sternen anzutreten, um die Weiten der Galaxis zu erkunden und die wenig friedlichen Kulturen der Sternenwelt kennenzulernen …

September 4603

Dominic Porter saß vor einem ovalen, gepanzerten Fenster an Bord des Akkatoschiffes Skitra und blickte auf seine Heimat hinunter. Er würde in einem Monat dreiundzwanzig Jahre alt sein und gehörte zu einer Generation von jungen Menschen, die für ihr Alter schon zu viel erlebt und durchgemacht hatte. Immerhin war er nicht vor seiner Zeit in die Jahre gekommen, wie manche seiner Altersgenossen und hatte sich eine gewisse jugendliche Sorglosigkeit bewahrt. Manche hätten es vielleicht als Leichtfertigkeit angesehen, aber Dominic gehörte durchaus nicht zu der Sorte von Menschen, die ohne Mitgefühl und ohne Verantwortung durch das Leben gingen. Er versuchte lediglich am Leben zu bleiben und dafür war ein weitgehend unversehrter Geist unverzichtbar.
Sein schmales Gesicht, mit den hellen grünblauen Augen hatte keine Sorgenfalten und das kastanienbraune Haar zeigte noch keine grauen Stellen, wie bei vielen anderen, bei denen die Angst bereits weiße Strähnen hinterlassen hatte. Er sah die Lichter der Städte Fargo, Willmar, Mineapolis und der Dörfer, welche die verödeten Landstriche sprenkelten, die zwischen ihnen lagen. Nach und nach schrumpften sie zu winzigen, glimmenden Punkten zusammen, je höher das Schiff stieg, bis sie kaum noch zu erkennen waren. Selbst die riesigen, kantigen Säulen der Stützpunkte, die die Akkato errichtet hatten, wurden winziger und winziger. Dominic konnte von hier oben etwa zehn dieser Türme ausmachen, die sich in einer Reihe bis zum Horizont erstreckten und lange Schatten über das Land warfen, während die Morgenröte heraufzog.
Mächtige, Schiffe der Akkato hatten an den Gebäuden festgemacht. Zahllose winzige Zubringerboote umschwirrten sie mit leuchtenden Triebwerken, wie Schwärme von Glühwürmchen, die um die Stämme riesiger Bäume kreisten. Im Schimmer der Morgendämmerung begannen sich die Umrisse der großen Seen abzuzeichnen, die wie Bruchstücke polierter Spiegel glänzten. In ihren Formen waren sie jedoch nicht mehr als jene Seen zu erkennen, wie Dominic sie im Schulunterricht kennengelernt hatte. Während des Krieges waren ihre Konturen erheblich verändert worden. Überall hatten Geschosse mit ihrer immensen Zerstörungskraft kreisrunde Krater in den Boden gestanzt und die natürlichen Strukturen der Landschaft so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass nichts mehr an ihre ursprüngliche Gestalt erinnerte. Viele Krater waren inzwischen mit Wasser gefüllt und überzogen den Erdboden in einem sonderbar anmutenden Muster, als wären Tropfen aus Quecksilber zu Boden gefallen. Im Glanz des neuen Tages sahen sie wie das Werk eines Künstlers aus, der sein Können an ganzen Planeten erprobt und dabei in Kauf genommen hatte, Zivilisationen und Völker zu vernichten.
Über die Verluste an Menschenleben, die seit dem ersten Kontakt zu den Akkato und den Keymon zu beklagen waren, gab es nur Spekulationen. Und weder die eine, noch die andere Partei, schien Interesse daran zu haben, herauszufinden, welchen Schaden sie bisher angerichtet hatte. Die Erdbewohner und ihr Leid waren zwar für den Krieg, den sie schon seit Jahrtausenden gegeneinander führten, von geringer Bedeutung. Doch immerhin hatte es sich herausgestellt, dass die Akkato den Menschen etwas weniger Missachtung entgegenbrachten, als die insektoiden Keymon.
Während in den Gebieten, die von den Käfern beherrscht wurden, jede Infrastruktur zusammengebrochen war, konnte man in den Territorien, in denen die Akkato das Sagen hatten, noch relativ gut zurechtkommen. Viele, die diese Gebiete bewohnten, glaubten an die Rückkehr zu einem normalen Leben, sobald die Eindringlinge abgezogen waren. Aber Dominic zweifelte daran, dass die Akkato oder Keymon jemals wieder von diesem Planeten verschwinden würden. Und selbst wenn, dann könnte das Leben auf der Erde nie wieder das selbe sein.
Dominic war nicht der Erste, der das erkannt und sich den Akkato im Kampf angeschlossen hatte, um sein Glück in den Weiten des Weltraums zu suchen. Allerdings führten die Akkato ihren Krieg an vielen Fronten, und die Wahrscheinlichkeit vorher zu sterben, war beinahe gewiss.
Die Skitra, was übersetzt »Schwert« bedeutete und die unter dem Kommando von Ulan Mestray stand, war für ihn vielmehr das geeignete Mittel, ihn zu den Sternen zu bringen. Und Mestray war ein ruhmreicher Akkatokrieger, der den Keymon mächtig eingeheizt und sie beinahe von der Erde vertrieben hatte. Beinahe – denn ein paar Wochen zuvor war bei den Käfern der Nachschub eingetroffen, weswegen sie ihre verbliebenen Stellungen hatten halten können. Warum man Ulan Mestray gerade in diesem Moment von der Erde abzog, konnte sich Dominic nicht erklären. Aber es war unnötig, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Die Akkatos würden ihn nicht in ihre unergründlichen Absichten einweihen und auf der Erde gab es nichts mehr, das ihn dort halten konnte. Nachdem eines der riesigen Keymon Schiffe über seiner Heimat abgestürzt war und nichts weiter als eine verkohlte Einöde hinterlassen hatte, in der seine Familie verbrannte, wollte er allem den Rücken kehren, was ihn an sein verlorenes Zuhause erinnerte.
Schließlich schwenkte die Skitra auf einen Kurs ein, der sie aus dem Sonnensystem tragen sollte, und die Erde verschwand aus seinem Blickfeld.
Dominic sprang von der Sitzbank vor dem Fenster und betrachtete den Raum, in dem er sich befand. Er war nicht besonders groß, schon gar nicht für Akkatoverhältnisse, da die ausgewachsenen Akkato die Menschen gewöhnlich um eine Armlänge überragten. Er strahlte die ruhige Feierlichkeit einer Kirche aus. In mehreren Öffnungen der Wände flackerte Licht, als ob Kerzen darin brannten. Ein herber Duft von Kräutern und aromatischen Harzen hing in der Luft. Es musste sich um einen Meditationsraum oder eine Art Kapelle handeln. Dominics Nase wurde von sonderbaren, süßen Düften erfüllt, die seinen Sinnen schmeichelten und für göttlichen Trost empfänglich machen sollten. Aber es waren auch die Formen, die ihn in seinen Bann zogen und die angenehm auf seine Augen wirkten. Formen, die so ganz anders waren, als alles was Menschen konstruieren konnten. Sämtliche Strukturen flossen ineinander, als befände man sich im Inneren einer Pflanze. Es gab keine Kanten, keine Ecken oder rechte Winkel. Alles erschien fließend und organisch. Und das war auch kein Wunder, dachte sich Dominic, denn jedes Schiff der Akkato war aus Holz gefertigt und bildete allein dadruch einen deutlichen Gegensatz zu den Fahrzeugen der Menschen oder Keymon.
Die Schiffe und Bauwerke der Keymon schimmerten in Silber- und Kupferfarben, hatten hier und da kantige Formen und waren von Ornamenten überzogen, von denen Dominic nicht sagen konnte, ob sie einfach nur zur Zierde dienten oder eine Funktion erfüllten. Die Schiffe der Akkato hingegen sahen wie fliegende Baumstämme aus und erweckten den Anschein, als wären sie von einer groben Axt einigermaßen stromlinienförmig zugehauen worden. Erst bei näherer Betrachtung konnte man die feine Konstruktionsweise erkennen.
Zuvor hatte Dominic noch nie eines von innen betrachten können und seine Faszination wuchs von Minute zu Minute.
Die Skitra strahlte eine kraftvolle Würde aus. Alles war größer, als auf den wenigen Schiffen, die die hünenhaften Akkato den Menschen zur Verfügung gestellt hatten und die aufwändig an menschliche Größenverhältnisse angepasst worden waren. Hier hatte man sich diese Mühe jedoch nicht gemacht. Konsolen, Quartiere und Gefechtsstände hatten Akkatokonstrukteure ausschließlich für ihre Artgenossen konstruiert. Die Schalter, Knöpfe und Regler waren groß und für die kleinen Menschenhände ungeeignet.
Dominic verließ den Meditationsraum, schlenderte durch die Korridore und erreichte schließlich die Kantine des Schiffes. Hier waren ein paar Tische und Stühle aufgestellt worden, die aus den Beständen der Menschenflotte stammten. Alle Menschenwesen an Bord der Skitra hatten sich hier versammelt und nahmen ihr Essen ein. Einige mit offensichtlichem Appetit und andere, die lustlos in ihren Tellern und Schüsseln herumstocherten. Es mussten etwa fünfzig, sechzig Menschen sein, schätzte Dominic. Männer und Frauen, im Alter zwischen Anfang zwanzig, bis Ende vierzig. Sie waren einander noch nicht vorgestellt worden. Dominic kannte weder ihre Namen noch ihre Ränge. Das Shuttle hatte sie vom Sammelpunkt bei Dallas abgeholt, sie im Hangar der Skitra abgesetzt und war kurz darauf wieder abgeflogen.
Der Akkatooffizier, der sie empfangen hatte, sah davon ab, die komplizierten Namen der Menschen herunterzuleiern, um zu überprüfen, ob alle angeforderten menschlichen Soldaten an Bord waren. Er hatte lediglich in sein Datenpad geblickt und die Gesichter der Neuankömmlinge mit den Informationen abgeglichen, die er darauf ablesen konnte. Anschließend hatte die mürrische Kreatur die Menschen in diese Kantine gebracht und war abgezogen, ohne ihnen weitere Anweisungen zu erteilen. Jetzt harrten sie darauf, dass man ihnen ihre Quartiere zuwies. Man ließ sie warten und Dominic nutzte die Gelegenheit, sich seine künftigen Kampfgefährten näher anzusehen.
Es war kein Gesicht darunter, dass Dominic kannte, aber Einige schienen schon Zeit miteinander verbracht zu haben. An der Art und Weise, wie sie miteinander umgingen, schloss Dominic, dass sie gemeinsam in etlichen Gefechten gewesen waren. Sie plauderten unbekümmert und schienen sich über vergangene Einsätze und Erlebnisse zu unterhalten. Manchmal lachten sie, oder kommentierten irgendeine Begebenheit mit spaßigen Bemerkungen, kehrten aber schnell zum gewohnten Ernst zurück. Andere hingegen saßen einsam und alleine vor ihrem Essen und musterten schweigend ihre Umgebung – distanziert, nachdenklich, misstrauisch. Ein paar wirkten so, als seien sie Verluste gewöhnt und daher nicht darauf aus, neue Freundschaften zu schließen. Viele der jungen Rekruten blicken angespannt und unsicher drein, weil ihnen die ganze Situation neu und ungewohnt war. Alle schienen sich jedoch klar darüber zu sein, dass sie sich an einem äußerst gefährlichen Ort befanden und jeden Augenblick die Hölle über sie hereinbrechen konnte.
Dominic erinnerte sich noch genau an den ersten Tag auf dem Zerstörer, dem er zugeteilt worden war – die Zora, unter dem Kommando von Daniel Perk. Auch er war sich damals einsam und verloren vorgekommen. Unsicher, angesichts der Abenteuer und Gefahren, die ihn noch erwarten würden. Er konnte die Jungen und Mädchen sehr gut verstehen. Dominic hatte sich mit achtzehn dazu entschlossen, sich der Heimatflotte anzuschließen und war jetzt seit zehn Jahren dabei. »Ich dachte, ich setze mich mal zu Euch«, sagte er etwas unbeholfen, als er sich zu den Rekruten setzte.
»All zu offensichtlich.« Der säuerliche Kommentar kam von  einem rothaarigen Jungen mit wasserblauen Augen, der ihm gegenübersaß.
Porter ignorierte, die Worte des Jungen. »Wo kommt ihr her?«, fuhr er unbeirrt fort.
»Wird ne Fragestunde«, setzte der Junge nach. »Dachte eigentlich, ich hätte die Fragen endlich hinter mir.«
Dominic stand wieder auf, um zu gehen. »Sorry. War eine dumme Idee.«
»Er hat es nicht so gemeint.« Eines der Mädchen, die neben dem Rotschopf saßen, hielt ihn zurück, woraufhin sich Porter wieder setzte. »Er ist nur aufgeregt, wie wir alle. Ich bin Sandra Dix, der vorlaute Kerl hier …
»Ist David Moore«, kam ihr der Rothaarige zuvor. »Und der hat vor, Admiral zu werden.«
»Mein Name ist Dominic Porter«, stelle er sich vor.
»Leutnat“, merkte Moore mit geflissentlichem Blick auf Dominics Schulterklappen.
Sandra Dix grinste Dominic mit schrägem Lächeln an. Ihre grünen Augen glitzerten. »Dann müssen wir vor Ihnen wohl salutieren.«
»Ich kann darauf verzichten«, winkte er ab. »Kommt aber darauf an, was der Captain dazu meint. In der Heimatflotte hat man sich viele Formalitäten abgewöhnt. Wie das hier gehandhabt wird, weiß ich nicht.« Dominic empfand diesen Mangel an formaler Disziplin bedauerlich. Er führte zu vielen Problemen durch Respektlosigkeiten. Auch auf der Zora verursachte das ab und an Schwierigkeiten, aber er wollte an den gängigen Gepflogenheiten jetzt nicht rütteln oder darüber eine Debatte anfangen.
»Sind Sie schon lange im Einsatz?«, fragte ein anderer Junge, der vielleicht der Jüngste in der Truppe war. Er hatte ein schmales, wissbegieriges Gesicht, mit vielen Sommersprossen und kurze, weißblonde Haare.
»Ich habe auf der Zora gedient«, erklärte Dominic Porter, im Bewusstsein, dass diese Offenbarung eine Diskussion auslösen konnte. »Drei Jahre unter Captain Perk.«
»Diese Zora?« David Moore stand das Staunen ins Gesicht geschrieben. »Der Captain Perk? Daniel Perk?«
Dominic wurde klar, dass er einen Fehler gemacht hatte, indem er schon so früh damit herausgerückt war. Er hätte sagen können, die letzten Jahre auf einem Zerstörer gedient zu haben, ohne irgendeinen Namen zu nennen. Es gab Hunderte von Schiffen und er hätte sich einen Namen ausdenken können.
»Er hat seine Mannschaft an die Keymon verkauft.« Das Mädchen mit dem breiten Gesicht und den braunen Haaren wirkte angewidert. »Wegen ihm haben wir zehntausend Mann verloren. Und drei Schlachtschiffe.«
Ein anderer Rekrut konnte sich nicht zurückhalten. »Es heißt, er sei ein Sklavenhändler. Er hat Menschen verkauft. An die Keymon und an anderer Völker in der Galaxis.«
Der Junge, der diese Behauptungen von sich gab, war für einen Soldaten ein wenig zu dick. Dominic fürchtete, er könne zu einem Problem werden, sollten sie eine Bodenoperation durchführen müssen. Warum hatten ihn seine Vorgesetzten nicht auf Vordermann gebracht?
»Halt die Klappe«, fuhr David Moore dem Dicken über den Mund. »Das war doch alles eine Verschwörung.«
In diesem Moment beschloss Dominic, den Rothaarigen etwas mehr zu mögen. »Es wurden viele Worte gemacht. Zu viele Worte.« Er besah sich die Runde und dann kam ihm ein Verdacht. »Ihr gehört irgendwie zusammen, aber im Kampf wart ihr nicht.«
»Wir kommen von der Universität«, informierte ihn Sandra.
»Ich wusste nicht, dass man jetzt schon Schüler rekrutiert.«
»Wir sind ebenso gut wie alle anderen«, sagte das Mädchen mit dem breiten Gesicht.
Dominic wagte das zu bezweifeln, aber ihre Mitschüler schienen ebenso überzeugt von ihrer Kampfkraft zu sein, wie sie. »Ihr werdet das noch früh genug unter Beweis stellen können. Aber Eifer ersetzt nicht die Erfahrung.«
»Nialla hat recht«, meinte Sandra mit einem Kopfnicken zu dem breitgesichtigen Mädchen. »Wir haben in unserem Diskussionskreis sämtliche Strategien beleuchtet, die in diesem Konflikt angewandt wurden. Wir wissen sehr gut bescheid.«
Diskussionskreis, Strategien beleuchtet – sämtliche Strategien. Dominic Porter musste alle Mühe aufwenden, um ein Kopfschütteln und ein Lachen zu unterdrücken. Er hatte die Retter der Menschheit gefunden, überlegte er amüsiert und würde sie nun auf den Kampfplatz führen. »Wer gehört noch zu eurer Gruppe?«
Sandra Dix stellte ihm den dicken Jungen vor, der Peter Norden hieß, Alex Donhall, mit den Sommersprossen, die breitgesichtige Nialla López und noch zwei andere Jungen. Christan Peskin und Frederik Zest sowie ein dunkelhaariges Mädchen namens Linda Sung mit leicht asiatischen Gesichtszügen.
Ein leiser Gongschlag kündigte das Kommen eines Akkatooffizieres an. Die erfahrenen Soldaten erhoben sich eilig, und auch Dominic Porter stand auf und nahm Haltung an. Die Studenten folgten seinem Beispiel. Daumen an die Hosennaht, die Augen geradeaus, Schultern gestrafft. Perfekt. Wenigstens hatten sie das einigermaßen gut geübt, dachte sich Porter.
Der Akkato forderte die Menschen auf, ihm zu folgen, damit er sie zu ihren Unterkünften bringen konnte. Sie schulterten ihre Rucksäcke und gingen dem hünenhaften Wesen hinterher. Die Unterkünfte der Menschen bestanden aus mehreren Wohncontainern, die man im Hangar der Skitra aufgereiht hatte. Mit ihren klobigen Formen wirkten wie Fremdkörper. Die Menschen konnten sich ihre Stubenkameraden selber wählen und bald hatten sich Gruppen zusammengefunden, die ihr Quartier miteinander teilen wollten. Die Studenten und Porter bezogen einen der Container und begutachteten die Pritschen. Ein älterer Sergeant hatte sich ihnen angeschlossen und belegte das letzte freie Bett. Es handelte sich um einen kleinen gedrungenen Mann mit kurzen grauen Haaren und einem perfekt gestutzten Bart, der um das Kinn herum noch eine kupferrötliche Farbe zeigte. Er hieß Aaron Kruger und redete nicht viel. Nachdem er seine Pritsche begutachtet und sein Gepäck im Spind daneben verstaut hatte, begann er sein Gewehr zu zerlegen und zu reinigen, obwohl das augenscheinlich nicht nötig war. Er besaß zudem ein stattliches Arsenal von Stich- und Faustfeuerwaffen, die für den jeweiligen Besitzer modifiziert waren und die er auf dem Boden vor seinem Bett ausbreitete.
Dominic beschloss, früh schlafen zu gehen. Alleine schon, um weiteren Fragen über seine Zeit auf der Zora aus dem Weg zu gehen. Allerdings war er nicht der Einzige, dessen Schlafbedürfnis Tribut forderte. Der Tag war lang gewesen und der Transport von der Kaserne zum Sammelpunkt und vom Sammelpunkt auf die Skitra anstrengender als erwartet. Alle legten sich früh schlafen und kurze Zeit später wurde das Licht gelöscht. Dennoch konnte Dominic keinen Schlaf finden. Unruhig drehte er sich hin und her und starrte in die Dunkelheit. Seine Gedanken kreisten um all die Ereignisse, die ihn an diesen Ort gebracht hatten. Zurück zu dem Zeitpunkt fast sechs Jahre zuvor, als er sein zweites Ausbildungsjahr bei der Heimatflotte hinter sich gebracht und seine Familie besucht hatte.

Textprobe: Asagraoon Band 1- Der Stählerne Planet

11.377 pgZ

Tigermaug

Bis auf das rote Licht der Notbeleuchtung war es in den Korridoren des kleinen Transportschiffes dunkel. Die Alarmsirene klagte in monotonen Intervallen. Fahle Schlieren wallten durch die rauchgeschwängerte Luft.
Nea arbeitete sich langsam vorwärts; das Visier ihres Raumanzuges geschlossen, ein Gewehr im Anschlag. Ihr kleiner Helmscheinwerfer warf einen bleichen Kegel in die Rauchschwaden und beleuchtete ein Chaos aus zerstörten Konsolen, geschwärzten Wänden und herumliegendem Geräten. Nea horchte in die Dunkelheit und vernahm ein leises Keuchen, dann eine schattenhafte Bewegung nahe der Wand hinter einer großen Kunststoffkiste.
„Wie sieht es aus?“, hörte sie die Stimme des Einsatzleiters Peter Logan.
„Ich denke, ich habe ein Besatzungsmitglied gefunden“, antwortete sie zögernd. „Wie viele sind es nochmal? Drei?“
„Ja, es sind drei“, bestätigte Logan. „Drei Männer.“
Nea näherte sich Transportbehälter, wo sie die Bewegung wahrgenommen hatte. Dahinter kauerte ein Mann. Sie sah sich seinen Raumanzug an und fand einen Namen, der auf einem Emblem an seinem Oberarm zu lesen war. „Er heißt Danner.“
„Ja, das ist einer von Ihnen“, bestätigte Peter Logan. „Die anderen sind Hal Amir und Reff Durham, der Chef der Truppe.“
Vorsichtig berührte Nea den Mann mit der Mündung ihres Gewehres an der Schulter. „Hallo?“, sagte sie laut und deutlich. Der Lautsprecher ihres Helmes schnarrte. „Können Sie mich hören?“
Er drehte sich zu ihr herum und starrte auf Neas Gesicht hinter dem geschlossenen Visier. „Es wird nichts nützen“, stammelte er. Wahnsinn sprach aus seinen Augen. „Sie können nichts bewirken. Es ist zu mächtig.“
„Schon gut“, versuchte Nea ihn zu beruhigen. „Die Schlepper haben Ihr Schiff sicher heruntergebracht. Es hat planmäßig im Falthurea Sektor aufgesetzt. Sie befinden sich nun auf der Raumhafenwelt Sculpa Trax. Ich bin vom DPA. Sie sind in Sicherheit.“
„Es ist zu mächtig! Zu mächtig! Zu mächtig!“, wiederholte der Mann ohne Nea anzusehen.
Sie nahm eine Injektionspistole aus ihrem Gürtel, legte die Mündung an den Hals des Mannes und drückte ab. Als er in sich zusammensackte und in tiefe Bewusstlosigkeit versank, setzte Nea ihren Weg fort.
„Besatzungsmitglied war nicht ansprechbar“, teilte sie der Leitstelle mit. „Habe den Mann ruhig gestellt.“
„Ich wünsche angenehme Träume“, scherzte Peter Logan. „Hast du schon einen Verdacht, was es sein könnte?“
„Nicht den geringsten“, gab Nea zu. „Ich habe die meisten Korridore schon passiert. Etwas Großes kann es nicht sein, das hätte ich entdeckt. Es muss sich um ein kleines Wesen handeln, das sich in den Rohrleitungen und Schächten bewegt.“
Nea erreichte das Cockpit. Hier gab es die meisten Kampfspuren. Etliche Monitore waren zerstört und die Konsolen an vielen Stellen durchlöchert. Nea versuchte, den Schalter zu finden, mit dem sie die nervtötende Sirene abstellen konnte, aber es gelang ihr nicht. Das Steuerpult war komplett zerstört.
Nea schlich sich aus dem Kommandostand und entdeckte den Zugang zum Frachtdeck. Das Schott stand einen Spalt weit offen und Nea zwängte sich hindurch. Sie stand auf einem kleinen Steg, von wo aus sie den Laderaum überblicken konnte.
„Ich habe den Laderaum entdeckt“, sagte sie in das Helmmikrophon. „Es gibt da einen großen Container mit Panzerglasflächen. Ich kann hineinsehen. Er ist leer. An den Wänden sehe ich eine Unmenge verschiedener Waffen. – Wow! Wollten die einen Krieg anfangen?“
„Sind alle registriert“, informierte sie Logan. „Die drei sind Großwildjäger und beliefern die exklusiven Zoos auf Vanetha und Boolin.“
Nea trat an die Stufen heran, die nach unten führten. Sie spähte in den dunklen Raum, wechselte den Sichtmodus ihres Helmdisplays und konnte zwei Wärmesignaturen erkennen. „Ich habe die anderen beiden entdeckt. Sie bewegen sich nicht. Liegen verkrümmt auf dem Boden. Ich gehe zu ihnen runter.“
Nea wusste noch immer nicht, mit welchem Wesen sie es zu tun hatte. Auch wenn es ein kleines Tier war, es hatte drei erfahrene Jäger außer Gefecht gesetzt, weshalb es umso gefährlicher sein musste.
Der Mann, der am geöffneten Ende des Transportcontainers lag, bemühte sich aufzustehen, als er Nea bemerkte. Er tastete unbeholfen nach seiner Waffe.
Nea machte einen Satz nach vorne und kickte die Pistole weg.
„Sie müssen fliehen“, presste der Mann zwischen den Zähnen hervor. Auch in seinem Blick konnte Nea Angst und Panik lesen. Die Adern an seinen Schläfen traten deutlich hervor und pulsierten. „Es kommt! Es kommt und niemand kann ihm entfliehen!“
„Sie fliehen zuerst einmal ins Traumreich des Vergessens“, meinte Nea beiläufig, zog wieder ihre kleine Injektorpistole, und versetzte den Mann in Tiefschlaf.
Beinahe im selben Augenblick setzte ihr jemand den Lauf einer Pistole in den Nacken.
„Machst gemeinsame Sache mit der Bestie, oder?“ Die Stimme des Jägers verriet die gleiche Verwirrung und Furcht, wie bei seinen Kollegen.
Nea hatte sich einen Augenblick der Unachtsamkeit geleistet. Ihr trat der Angstschweiß auf die Stirn.
„Du hast es aber mit dem furchtlosen Eddie zu tun. Und der wird dir jetzt die Lichter ausblasen.“
Ein heller Blitz erleuchtete die Umgebung und ein Knall hallte durch den Frachtraum. Dem furchtlosen Eddie flog die Waffe aus der Hand. Klappernd und schwelend schlitterte sie über den Boden, als ein weiterer Schuss Neas Augen blendete. Eddie verkrampfte sich, während blaue Lichtbögen über seinen Körper züngelten. Sekunden später ging er zu Boden und blieb reglos liegen.
Nea spähte hinauf zum Zugangsschott. Gerade schob der massige O.G.O.-Roboter die Torflügel auseinander und trat durch den geweiteten Spalt. Seine zweckmäßige Form glich der eines kantigen, mechanischen Skeletts. Er hatte nichts von der Eleganz und dem Design einer Maschine, wie man sie auf den Stadtwelten benutzte. Es sah eher so aus, als hätten seine Konstrukteure sämtliche Abdeckbleche und Chassisteile entfernt, um Ogos funktionale Struktur bloßzulegen und sie zu betonen. Abgesehen von einigen glänzenden Hydraulikelementen, schimmerte der größte Teil seines Körpers in nüchternem, metallischem Grau.
„Ich hatte dir doch gesagt, du sollst bei der Hauptschleuse warten“, entrüstete sich Nea.
„Habe ich aber nicht“, schnarrte die hünenhafte Maschine mit blecherner, emotionsloser Stimme. Er schwenkte den Lauf seines Gewehres nach allen Seiten. „Und es war ganz offenbar gut so. Wie so oft.“
Nea schüttelte den Kopf. „Du machst mich fertig!“ Sie rief den Einsatzleiter. „Zentrale! Alle Besatzungsmitglieder wohlauf. Ich suche weiter nach dem Eindringling.“
Nachdem sich Nea im Laderaum umgesehen hatte, nahm sie den Container näher in Augenschein. „Ist irgendetwas über ihre letzte Fracht bekannt?“
„Nein“, antwortete Peter. „Sie kamen direkt von Vanetha über Sprungpunkt 3-33. Aus den Daten geht nicht hervor, dass sie ein Tier von der Stadtwelt mitgenommen hätten.“
„Was immer in diesem Behälter war“, überlegte Nea, „ist auch nicht ausgebrochen. Es hätte sich niemals in den engen Korridoren verstecken können. Es wäre nicht mal durch das Schott gekommen, das zu den Mannschaftsräumen führt.“
„Wie groß ist das Behältnis?“
„Groß genug für eine Felsenechse, einen Streifenwolf oder einen Tigermaug.“ Beim letzten Wort kam Nea ein Verdacht. Sie öffnete das Visier ihres Helmes und im gleichen Moment stieß ihr ein scharfer, beißender Geruch in die Nase.
Unvermittelt keimte in Nea Panik auf. Wirre Bilder wirbelten durch ihren Kopf. Sie sah einen Dschungel, Farnwedel, hohes Gras, dichtes Unterholz. Mit den Augen des Jägers eilte sie durch die dichte Vegetation. Gras, Zweige und Schachtelhalme peitschten ihr ins Gesicht. Sie vernahm die entsetzten Schreie von Tieren auf der Flucht. Ein Gewitter, Regen und Wind, der die Wipfel der Bäume schüttelte. Sie sah zerfetzte Kadaver, stapfte durch tiefe Blutlachen, hörte das Knacken fester Knochen, die von kraftvollen Zähnen und Kiefern zermalmt wurden. Sie roch das Blut, das aus tiefen Wunden spritzte. Eine Flut von Eindrücken überwältigte ihren Geist und versetzte sie in einen unangenehmen Rausch. Ihr wurde schwindelig. Nea krümmte sich unter Magenkrämpfen, riss sich den Helm vom Kopf und erbrach sich mehrere Male. Ogo setzte sich in Bewegung, um seiner menschlichen Freundin zu Hilfe zu kommen, aber Nea hob abwehrend die Hand.
„Ist alles in Ordnung.“ Sie rappelte sich mühsam auf. Nea rief sich die kurzen Verse einer Wortmeditation in den Sinn, wie es von einer Tengiji-Kriegerin gelernt hatte. Neas Atmung beruhigte sich. Ihre Furcht verging und sie konnte wieder klare Gedanken fassen. Nea konnte ein Lachen nicht unterdrücken, denn inzwischen war ihr ein Verdacht gekommen.
Sie betrachtete den Rahmen des Containers und eine glänzende Stelle auf dem Metall erregte ihre Aufmerksamkeit. Von dort ging dieser widerliche Gestank aus, der ihr die Sinne geraubt hatte.
„Ein Tigermaug hat hier eine mentale Signatur gesetzt“, erklärte sie Peter. „Die Besatzung ist irgendwie damit in Kontakt gekommen. Sie werden noch eine ganze Weile mit den mentalen Projektionen des Tigermaug zurechtkommen müssen. Mit den Jungs würde ich jetzt nicht tauschen wollen.“
„Und was heißt das für uns?“
„Entwarnung“, antwortete Nea. „Du kannst das Schiff freigeben, die Männer auf die Krankenstation bringen und den Container reinigen lassen.“
„Und das war es dann?“
„Ganz genau! Das war’s dann.“
Logan schaltete die Verbindung ab.
Ogo sandte Nea einen kurzen telepathischen Impuls. Aufmunternd und beruhigend.
„Ja“, sagte Nea müde, „hat mich ziemlich mitgenommen. Wäre mir früher nicht passiert. Ich muss sehen, dass ich bald wieder auf dem Damm bin. Lass uns nach Hause fliegen.“

Die Sicherungseinheiten, die den Frachter umstellt hatten, lösten ihre Formationen bereits auf, als Nea und Ogo aus der Hauptschleuse des Frachtraumes stiegen und die kurze Laderampe herunterkamen. Die schillernden Eindämmungsfelder verblassten und die Roboprojektoren falteten ihre Schirme ein.
Es war später Nachmittag, aber die Sonne brannte noch immer heiß vom Himmel. Die Luft über dem Asphalt der weiten Landeflächen flimmerte. Ein Reinigungsteam eilte ins Innere des Frachters, um die Speichelspuren des Tigermaug zu entfernen. Danach würden ihnen die Sanitäter folgen, um sich der Mannschaft anzunehmen.
Peter Logan stieg aus einem der Gleiter, in dem die Überwachungseinheiten, das Säuberungsteam und die Sanitäter untergebracht waren. Er war ein kleiner, rundlicher Mann, mit dem Nea schon öfter zusammengearbeitet hatte.
„So viel Lärm um nichts.“ Er lachte, als Nea ihn um das Datentablet bat.
„Mir hat es gereicht“, antwortete sie und überflog den Einsatzbericht. Sie zog den Handschuh aus, drückte ihre Finger auf das Glas des kleinen Computers, um zu bestätigen, und gab ihn Logan zurück.
„Du kannst Sam sagen, ich schätze es sehr, dass er uns seinen besten Mann, beziehungsweise seine beste Frau geschickt hat.“
Nea grinste. „Mache ich.“
„Wir suchen dir das nächste Mal etwas aus, das eine größere Herausforderung darstellt. In Ordnung?“
Neas Lachen erstarb. Ihr war im Augenblick nicht nach Scherzen zumute und schon gar nicht nach größeren Herausforderungen.

Die Nova war Neas Schiff. Es stand einige hundert Meter entfernt in einem vorgeschriebenen Sicherheitsabstand zum havarierten Frachter. Es war ein alter AVA 111 Boxer, mit zwei kräftigen Triebwerken und einem langgestreckten Rumpf, der über viel Ladefläche verfügte. Darüber hinaus konnte er auch einige Annehmlichkeiten bieten, wenn Nea Gäste hatte. Es war Neas eigenes Schiff und gehörte nicht der Zefco – der Zefren Company, für die Nea als Scout arbeitete.
„Du bist verdammt ungehorsam“, schimpfte Nea ihren O.G.O., streifte die Handschuhe ab, die sie in den Werkzeuggürtel steckte, und öffnete ihren Schutzanzug. Der stete Wind, der über die Ebene blies, kühlte ihren verschwitzten Körper. „Nie kann ich mich darauf verlassen, dass du dort bleibst, wo ich dich hingestellt habe.“
„Bislang waren meine Entscheidungen korrekt“, schnarrte Ogo zurück.
„Trotzdem“, beharrte Nea. „Irgendwie nervt es mich in letzter Zeit.“
„Du solltest zum Arzt gehen.“
„Du liebe Güte!“
„Es wäre gut, wenn du eine eingehende Überprüfung deiner organisch psychischen Systeme …“
„Überprüf du lieber deine Systeme!“, gab Nea schroff zurück.
„Mit mir ist alles in Ordnung“, verteidigte sich Ogo. „Es gibt keinen Grund meinen gelegentlichen Ungehorsam als Fehler in meiner Programmierung zu interpretieren.“
„Ich sehe das aber anders!“
„Meine Selbstanalyse legt den Schluss nahe, dass der Entwickler der O.G.O. Einheiten, Oswald Georg Ohan, eine Affinität zum Ungehorsam in unsere primäre Grundmatrix eingewoben hat. Es ist daher nicht überraschend – ich kann sagen, man sollte es sogar erwarten –, dass O.G.O. Einheiten zum Ungehorsam neigen.“
Nea verdrehte die Augen, diese Dialogsequenz kannte sie zur Genüge. Der O.G.O. wurde nicht müde seine Einzigartigkeit bei jeder Gelegenheit zu betonen. „Ich erzähle dir gleich etwas über meine primäre Grundmatrix!“
Ogo ignorierte ihren Ärger. „Ohan war ein Freigeist und ich empfinde es nur logisch, wenn er als unabhängiger Konstrukteur diesen Charakterzug in uns etabliert hat.“
„Damit hat er sich selber ruiniert“, warf Nea ein. „Es war dumm von ihm, Freigeister zu erschaffen, die ihre eigene Produktion sabotieren.“
„Es handelte sich lediglich ein Ablauf von Kausalitäten. Ein konsequenter Ausdruck -“
„Schluss jetzt!“, befahl Nea. „Mein Kopf verarbeitet noch immer die Illusionen des Tigermaug. Ich kann mich jetzt nicht auf deine philosophischen Ausführungen konzentrieren! Flieg uns einfach nach Hause.“